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BARRIEREFREI PLANEN, BAUEN, WOHNEN – WARUM MANNHEIM JETZT STRUKTURELL HANDELN MUSS

Eine barrierefreie KücheBild: Wikipedia

Eine barrierefreie Küche Bild: Wikipedia

Das Forum „Barrierefrei planen, bauen, wohnen“ hat noch einmal deutlich gemacht, was wir schon länger wußten: DAS GRÖßTE DEFIZIT DER BARRIEREFREIHEIT IN MANNHEIM LIEGT NICHT IM NEUBAU, SONDERN IM BESTAND. Gleichzeitig stehen wir vor einer demografischen Entwicklung, die Barrierefreiheit von einer freiwilligen Zusatzleistung zu einer ZENTRALEN VORAUSSETZUNG STÄDTISCHER ZUKUNFTSFÄHIGKEIT macht. Die Diskussionen haben gezeigt, dass es weniger an Wissen oder gutemWillen mangelt – sondern an VERBINDLICHER STRUKTUR, KLAREN ZIELBILDERN UND STRATEGISCHER PRIORISIERUNG.

EINORDNUNG: WO STEHEN WIR – UND WARUM REICHT DAS NICHT AUS?

In Mannheim – wie in vielen Städten – wird Barrierefreiheit im Neubau zunehmend mitgedacht. Das ist wichtig, löst aber das Kernproblem nicht: DIE STA DT VON 2040 STEHT HEUTE SCHON. Der überwiegende Teil des Wohnungsbestands ist nicht barrierefrei nutzbar, während der Anteil älterer und behinderter Menschen

deutlich wächst. Im Forum wurde mehrfach betont, dass Zielkonflikte real sind: Kosten,Denkmalschutz, Brandschutz, Flächenknappheit. Diese Spannungen sind unbestritten. Problematisch wird es jedoch, wenn Barrierefreiheit dadurch SYSTEMATISCH RELATIVIERT wird – etwa als „optional“, „später lösbar“ oder nur als Einzelfallreaktion. Evidenz aus Forschung und Praxis zeigt: REAKTIVE UMBAUTEN SIND TEURER, LANGSAMER

UND SOZIAL BELASTENDER als vorausschauende Planung. Fehlende Barrierefreiheit führt zu Vereinsamung, frühzeitigen Heimunterbringungen und steigenden Kosten für Pflege- und Sozialsysteme. Das ist für den sowieso schon angespannten Haushalt besonders kritisch. Wer hier noch weiter falsch an Barriefreiheitspart, wird die aktuellen Finanzprobleme in die Zukunft verschleppenund dramatisch erhöhen. Das kann sich Mannheim nicht leisten.

Ein weiterer zentraler Punkt der Diskussion war die Rolle von Normen. Die fachlichen Grundlagen der Barrierefreiheit – etwa in der DIN 18040 – sind seit über einem Jahrzehnt weitgehend stabil. Der von

einem Architekten geäußerte Eindruck ständiger Änderungen entstehtvor allem durch Verwaltungsvorschriften und Ausnahmen. Daraus abzuleiten, Barrierefreiheit sei „verhandelbar“, ist fachlich

nicht haltbar und gefährdet Rechtsklarheit, Planungssicherheit und die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.

MANNHEIM IM DEMOGRAFISCHEN UND BAULICHEN KONTEXT

Mannheim hat aktuell rund 330.000 EINWOHNER:INNEN. Bereits heute sind etwa 20 % DER BEVÖLKERUNG 65 JAHRE UND DARÜBER (s. StatistikatlasMannheim). Laut Destatis wird der Anteil der über 67-Jährigen bundesweit BIS ENDE DER 2030ER-JAHRE AUF RUND 25 % steigen. Für Großstädte wie Mannheim ist davon auszugehen, dass dieser Anteil MINDESTENS EBENSO HOCH, EHER HÖHER liegen wird – unter anderemaufgrund steigender Lebenserwartung und der städtischen Altersstrukturen.

Gleichzeitig zeigen die amtlichen Zahlen:

In der Altersgruppe AB 64 JAHREN liegt der Anteil schwerbehinderter Menschen bereits heute bei RUND 25 % (Quelle: Destatis). Überträgt man diese Quote auf Mannheim, bedeutet das schon heute ZEHNTAUSENDE

MENSCHEN, deren selbstständige Teilhabe unmittelbar von barrierefreien Wohn- und Umweltbedingungen abhängt. Dem steht der bauliche Bestand gegenüber:

Beim größten kommunalen Wohnungsanbieter Mannheims sind nur RUND 1,5 % DER WOHNUNGEN BARRIEREFREI und lediglich 0,15 % ROLLSTUHLGERECHT. Der Neubau kann diese Lücke nicht schließen, denn

ÜBER 90 % DER STADT VON 2040 STEHEN BEREITS HEUTE. Ohne eine systematische Weiterentwicklung des Bestands entsteht ein wachsender Widerspruch zwischen demografischer Realität und baulicher

Nutzbarkeit. UNSER KONSTRUKTIVER AUSBLICK UND APPELL: WAS JETZT ZU TUN IST

Das Forum hat zugleich gezeigt, wo die Hebel liegen – und dass es KEINEN RADIKALEN BRUCH, sondern eine KLARE STRATEGISCHE NEUAUSRICHTUNG braucht:

* BARRIEREFREIHEIT ALS DEMOGRAFISCHE INFRASTRUKTUR BEGREIFEN

Sie ist keine Sonderanforderung, sondern vergleichbar mit Energie- oder Wasserversorgung: Voraussetzung dafür, dass Menschen in der Stadt bleiben können.

* VERBINDLICHE MINDESTSTANDARDS IM NEUBAU

Neubau muss grundsätzlich barrierefrei geplant werden – nicht barrierearm, nicht optional. Das erhöht Nutzungsflexibilität und reduziert spätere Umbaukosten.

* STRATEGISCHE BESTANDSENTWICKLUNG STATT EINZELFALLLÖSUNGEN

Förderprogramme und Einzelumbauten sind wichtig, ersetzen aber keine systematische Umbau-Roadmap für den Bestand.

* KLARE SPRACHE UND KLARE BEGRIFFE

Unklare Kategorien wie „barrierearm“ verwässern Ziele. Was Barrierefreiheit ist – und was nicht – muss eindeutig benannt werden.

* FRÜHE EINBINDUNG VON BETROFFENENKOMPETENZ

N icht als Korrektiv am Ende, sondern als integraler Bestandteil von Planung, Ausbildung und Genehmigung.

SCHLUSSGEDANKE

Barrierefreiheit entscheidet darüber, WER IN MANNHEIM IN ZUKUNFT WOHNEN KANN – UND WER NICHT. Das Forum hat wertvolle Impulse geliefert. Entscheidend wird nun sein, diese in VERBINDLICHE PRAXIS zu übersetzen. Die AG Barrierefreiheit wird diesen Prozess weiterhin kritisch-konstruktiv begleiten – im Dialog mit Verwaltung, Politik, Wohnungswirtschaft und Planenden.

 


Alles Gute im neuen Jahr!

Foto mit einer Einladung zum Neuejahrsempfang der Stadt Mannheim im Rosengarten am 6. Januar 2026Die Arbeitsgemeinschaft Barrierefreiheit Rhein-Neckar e. V. wünscht Euch alles Gute im neuen Jahr! Wir bedanken uns ganz herzlich für die tolle Zusammenarbeit und Eure Unterstützung unserer Arbeit. Wir starten in das neue Jahr mit einem Informationsstand auf dem Neujahrsempfang der Stadt Mannheim am Dienstag, den 6. Januar von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr im Mannheimer Rosengarten präsent.  Wir freuen uns auf Euren Besuch!

Unseren Stand mit der Nummer 184 findet Ihr auf der Ebene 0. Wir sind Teil des Gemeinschaftsstandes des Paritätischen.

Zuletzt möchten wir Euch noch bitten, uns weiter bei der Unterschriftensammlung der Petition „Haushaltsmittel für barrierefreie Toiletten in Mannheim!“ zu unterstützen.
Aktuell haben wir circa 1700 Unterschriften und sammeln noch bis Ende März 2026.

 


Öffentliche Toiletten für den alten Messplatz!

Foto mit einer Rollstuhlfahrer*innenschlange vor der Toilette am Platzhaus am alten Messplatz

Warten vor der „barrierefreien“ Toilette am Platzhaus (Alter Messplatz) Foto: M.Schülke

Viele Leute wissen es wahrscheinlich gar nicht. Auf dem alten Messplatz gibt es in dem Gebäude des „Platzhauses“ eine „barrierearme“ mit dem sogenannten Euroschlüssel und 24/7 zugängliche Toilette. Der Schlüssel wird nur gegen Nachweis an bezugsberechtige Personen ausgegeben. Dies können Menschen mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten wie Morbus Chron, Stomaträger*innen oder anderen starken Einschränkungen betroffene Menschen sein. Die Toilette wurde 2007 im Zuge des Messplatzumbaus in Betrieb genommen. Im Erbbauvertrag wurde festgelegt, dass der Erbbauberechtige eine Behindertentoilette zu errichten hat und das diese 24 Stunden zugänglich sein muss.

Seit die Toilette in Betrieb genommen wurde kämpft die Arbeitsgemeinschaft Barrierefreiheit für die Umsetzung der Barrierefreiheit und für eine würdevolle Nutzungsmöglichkeit dieser Toilette. Seit 18 Jahre ist die Toilette ein Dauerärgernis. Oft ist sie nicht gereinigt, fehlt Toilettenpapier oder ist gar ganz verriegelt und damit nicht zugänglich. Bisher haben alle Besitzer*innen der Immobilie die vertraglich geregelte Verantwortung nicht umgesetzt, aber immer wieder die Umsetzung beteuert. Aktuell ist die Toilette im Besitz der GBG Sonderimmobilien GmbH einem Tochterunternehmen der Stadt Mannheim. In den letzten Wochen hat sich die Situation am Platzhaus leider wieder extrem verschlechtert. mehr …


Kommunale politische Teilhabe von Menschen mit Behinderungen stärken

Anlässlich der nordrhein-westfälischen Kommunalwahlen am 14. September 2025 hat die Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) die partizipativen Strukturen für Menschen mit Behinderungen auf kommunaler Ebene im Land in den Blick genommen. In einer Veröffentlichung hat sie Empfehlungen ausgesprochen, welche Rahmenbedingungen auf Kommunal- und Landesebene umgesetzt oder verbessert werden müssen, um die wirksame politische Teilhabe von Menschen mit Behinderungen zu gewährleisten.“

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Lautstark für mehr öffentliche und barrierefreie Toiletten

Kundgebung auf dem Mannheimer Paradeplatz für mehr öffentliche und barrierefreie Toiletten. Auf dem Bild ist der Beschwerdechor und ein Redner der Arbeitsgemeinschaft Barrierefreiheit zu sehen

Kundgebung auf dem Mannheimer Paradeplatz für mehr öffentliche und barrierefreie Toiletten. Foto: Bernd Kittendorf

Toll war sie die Kundgebung der Arbeitsgemeinschaft Barrierefreiheit für mehr öffentliche und barrierefreie Toiletten in Mannheim. Aktuell haben circa 1300 Menschen die Petition gezeichnet, in dem der Mannheimer Gemeinderat aufgefordert wird, sein 2023 beschlossenes Toilettenkonzept mit Haushaltsmitteln auszustatten und diese Toiletten endlich zu bauen. „Die Nichtumsetzung mit Begründung auf die prekäre Haushaltslage ist nicht haltbar. Der Mannheimer Haushalt ist hunderte Millionen Euro schwer. Es ist eher eine Frage der Priorisierung von notwendigen Maßnahmen zur Umsetzung von elementaren Menschenrechten. Ausreichende Versorgung mit Toiletten und Trinkwasser halten wir in einer lebenswerten Stadt für dringend geboten. Nicht nur die Kommune ist hier in der Verantwortung – auch die Privatwirtschaft hat durch die Schaffung ausreichender und barrierefreier Infrastruktur für die Gewährleistung elementarer Bürgerrechte zu sorgen“ fordert Elke Campioni zweite Vorsitzende des Trägers öffentlicher Belange.

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